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Happy Birthday… Leonhard Euler

Heute hat einer der ganz großen Mathematiker seinen Geburtstag: Leonhard Euler wurde vor genau 311 Jahren in Basel geboren. Dank seiner extremen Produktivität und mathematischen Intuition gilt er als einer der – wenn nicht DER – größten Mathematiker der Geschichte.

Geboren wurde er als Sohn eines Pastors, der darauf bestand, dass auch sein Sohn diese kirchliche Laufbahn einschlagen sollte. Obwohl Euler sich bereits in jungen Jahren sehr für die Mathematik interessierte und großes Talent zeigte, gehorchte er und begann, in Basel Theologie und Hebräisch zu studieren. Nun gab es zu dieser Zeit aber eine herausragende Mathematikerfamilie, die Bernoullis*. In drei Generationen gab es gleich acht bemerkenswerte Mathematiker und genau diese Familie lebte ebenfalls in Basel. Kein Wunder also, dass Euler mit ihnen in Kontakt kam. Daniel und Nikolaus Bernoulli waren enge Freunde von Leonhard Euler und ihnen war bewusst, dass Euler deutlich besser in die Mathematik passte, als in die Theologie. Paul Euler – der Vater von Leonhard – hatte seinerzeit bei Jakob Bernoulli Mathematik gelernt, hegte eine große Achtung vor dieser Familie und so erlaubte er 1725 schließlich seinem Sohn, sich seiner Leidenschaft zuzuwenden.

Bereits 1727 wurde Leonhard Euler von Daniel Bernoulli an die Petersburger Akademie der Wissenschaften berufen, wo er die Professur von Nikolaus II. Bernoulli übernahm. (Übrigens ist das das gleiche Jahr, in dem Newton starb.) Anschließend erhielt er erst eine Professur für Physik und ab 1733 trat er die Nachfolge als Professor für Mathematik von Daniel Bernoulli an.

Euler war ein Meister im Reduzieren von Fragestellungen auf das Wesentliche. Dieses ist der Graph zum Königsberger Brückenproblem. Mit einem Klick auf das Bild erfahrt ihr mehr dazu!

Von Friedrich dem Großen wurde er 1741 an die Königlich-Preußische Akademie der Wissenschaften berufen, wo er 25 Jahre arbeitete. Sein damaliges Wohnhaus ist die heutige Bayerische Vetretung in Berlin. Ab 1766 lebte er wieder in Sankt Petersburg.

Leonhard Euler heiratete insgesamt zwei Mal und hatte aus der ersten Ehe 13 Kinder, wovon allerdings nur fünf das Erwachsenenalter erreichten. Nach dem Tod seiner ersten Frau heiratete er ihre Halbschwester.

Euler hatte ein bemerkenswertes Gedächtnis und konnte in Verbindung mit seiner Intuition auch die schwierigsten Rechnungen und logischen Schritte im Kopf durchgehen.

Das kam ihm noch mehr zu Gute, nachdem er ab 1740 auf einem Auge erblindete und ab 1771 durch einen grauen Star vollständig. Trotzdem entstanden fast die Hälfte seiner Arbeiten nach dieser vollständigen Erblindung. Beim Aufschreiben erhielt er später Hilfe von drei seiner Söhne und seinem Sekretär.

Leonhard Euler, Pastell von Emanuel Handmann, 1753

Insgesamt stammen 866 Publikationen von Euler, was wohl Weltrekord sein dürfte. Er war unfassbar produktiv, es wird überliefert, dass er selbst beim Ins-Bett-bringen der Kinder noch mit der anderen Hand an Beweisen schrieb – ob das Zu-Bett-bringen allzu erfolgreich war, wurde leider nicht überliefert. Euler ließ sich oft von praktischen Problem und Fragen seiner Umwelt inspirieren, die er zum einen ganz konkret löste, aber auch gleichzeitig als Ausgangspuntk für weitere, mathematische Forschungen betrachtete. So beschäftigte er sich mit Finanzfragen und Strömungsmechanik genauso, wie mit Akustik, Navigation oder sogar Bewässerungsproblemen. Gleichzeitig geht ein sehr großer Teil unserer heutigen Notation auf ihn zurück und er kann als Begründer der Analysis betrachtet werden – einem riesigen Feld innerhalb der Mathematik! Auch die Graphentheorie und damit die komplette Topolgie gehen auf Arbeiten von Euler zurück – darüber hatte ich ausführlich schon einmal HIER und HIER berichtet. Auch über Zahlenhteorie und Algebra forschte und veröffentlichte er. Sogar Napoleon Bonaparte kam mit Eulers Schriften in Berührung, als er als Leutnant dessen Werk über Ballistik studieren musste, was als erstes Buch dieser Art schnell ein offizielles Lehrbuch wurde. Auch das beliebte Sudoku geht auf Euler zurück.

Einer meiner Professoren während des Studiums brachte es einmal ganz gut auf den Punkt, als er sagte:

Wenn Sie nicht wissen, von wem ein Satz stammt, schreiben Sie einfach „Euler“ drüber, damit kann man nichts falsch machen!

Im Jahre 1783 starb Euler an einer Hirnblutung und wurde in Sankt Petersburg beigesetzt.

 

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Über Leonhard Eulers Arbeit habe ich euch bereits hier erzählt:

Das Königsberger Brückenproblem

Was aus dem Königsberger Brückenproblem wurde + Anfänge der Topologie

Was ist Topologie?
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* Warum die Bernoullis und ihre herausragenden Arbeiten und Bekanntheit so in Vergessenheit geraten sind, wundert mich immer wieder selbst, wenn ich darüber lese oder schreibe. Diese Familie werden wir uns definitiv noch einmal genauer ansehen!

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