Biographien, Happy Birthday to..., Mathematik

Happy Birthday… Bernhard Riemann

Heute gibt es noch einen ganz spontanen Beitrag für die Geburtstagsreihe! Denn diesen Mittag fiel mir durch Zufall auf, dass heute einer der ganz großen Mathematiker Geburtstag hat: Bernhard Riemann wurde am 17. September 1826 in Breselenz (in Niedersachsen) geboren. Und da ich diesen Geburtstag nicht einfach unerwähnt lassen möchte, gibt es jetzt noch eine kurze Biographie!

Bernhard Riemanns Arbeiten begegnet man in vielen Gebieten der Mathematik, beispielsweise in der Analysis, Differentialgeometrie, mathematischen Physik und der analytischen Zahlentheorie. Schon in der Schule haben wohl alle das Riemann-Integral kennengelernt und seine berühmte Riemann’sche Hypothese war hier ja schon öfter Thema!

Riemanns Vater war Pastor und so wuchs er mit seinen vier Geschwistern unter bescheidenen Verhätnissen auf. Er ging später in Hannover und Lüneburg auf das Gymnasium. Schon sehr früh fiel seinen Lehrern seine mathematische Begabung auf. Es wird die Geschichte erzählt, dass ihm sein Schuldirektor ein Werk von Legendre auslieh, es bereits nach einer Woche wieder bekam und den jungen Riemann darüber im Abitur prüfte. Tatsächlich konnte der Junge alle Fragen beantworten und hatte das Buch intensiv studiert. Anschließend studierte Riemann von 1846 – 47 in Göttingen – zuerst sollte er Theologe werden wie sein Vater, wechselte dann aber zur Mathematik. Dort traf er auch Moritz Stern, Johann Benedict Listing (einem der ersten Topologen) und Carl Friedrich Gauß. Zwischen 1847 und 1849 studierte er in Berlin unter anderem bei Dirichlet (partielle Differentialgleichungen), Jacobi und Eisenstein (elliptische Funktionen) und Steiner (Geometrie). Ab 1849 promovierte er in Göttingen bei Gauß über die Funktionentheorie. 1851 schloss er die Dissertation erfolgreich ab, arbeitete danach kurz als Assistent von Wilhelm Eduard Weber und habilierte sich anschließend 1854. Das Thema seines Abschlussvortrags lautete: „Über die Hypothesen, welche der Geometrie zu Grunde liegen“.

Im Jahre 1855 verstarb Riemanns Vater und nachdem auch sein Bruder verstorben war, musste er sich um seine verbleibenden zwei Schwestern kümmern. Damals verdiente ein Professor – was er zwischenzeitlich geworden war – nicht besonders viel und so brach er irgendwann aus Überarbeitung zusammen. Er reiste zur Erholung nach Bad Harzburg zu Dedekind. Zurück in Göttingen bekam er 1858 Besuch von drei italienischen Mathematikern, wodurch sein Interesse an Italien geweckt wurde und ihnen topologische Ideen näher brachte. Im gleichen Jahr traf er in Berlin Weierstraß, Kummer und Kronecker. Auch in Paris traf er sich 1860 mit vielen großen Mathematikern dieser Zeit: Hermite, Puiseux, Betrand und Bouquet.

Im Jahre 1862 heiratete er Elise Koch mit der er ein Jahr später die Tochter Ida bekam. Die Kleine wurde auf einer Italienreise in Pisa geboren, wo sich Riemann längere Zeit aufhielt und wo er seine italienischen Freunde wiedertraf. Bereits 1862 verschlechterte sich sein Gesundheitszustand immer mehr und es wurde Tuberkulose diagnostiziert. Er reiste noch einmal zur Erholung nach Italien, was die Krankheit aber nicht aufhalten konnte und so starb er 1866 mit 39 Jahren in Selasca am Lago Maggiore.

Seine Tochter und seine Frau zogen später nach Bremen, wo Ida den Mathematiker und Nautiger Carl Schilling heiratete.

Auch wenn Bernhard Riemann nicht besonders alt wurde, haben wir ihm großartige Forschung zu verdanken. Er gilt beispielsweise als Begründer der Funktionentheorie, der Riemann’schen Geometrie und damit auch als Wegbereiter von Einsteins Relativitätstheorie. Von der Riemann’schen Geometrie konnte er sogar Gauß in seinem Habilitationsvortrag sehr beeindrucken. Und auch wenn er nur eine einzige Schrift über Zahlentheorie verfasst hatte, gilt diese als eine der Gründungsschriften der analytischen Zahlentheorie. Genau in dieser Schrift „Über die Anzahl der Primzahlen unter einer gegebenen Größe“ formulierte er auch die berühmte, nach ihm benannte Hypothese über die Nullstellen der Zeta-Funktion. Ebenfalls in der Habilitationsschrift beschäftigte sich Riemann mit Fourierreihen – diese Arbeit wurde später der Ausgangspunkt für Cantor und die Entwicklung der Mengenlehre. Auch in der mathematischen Physik löste er zahlreiche Probleme.

Die Zeta-Funktion, der Mittelpunkt der Riemann’schen Vermutung.

 

Was ich persönlich ganz erstaunlich und bemerkenswert finde, ist, dass sich eine Biographie von Riemann gleichzeitig wie ein Who is Who der (deutschen) Mathematiker liest. Ich hatte bei der Recherche und dann beim Schreiben das Gefühl, dass diese Zeit unfassbar spannend war. Viele der ganz großen Mathematiker lebten genau zu dieser Zeit, viele in Göttingen oder Berlin und so müssen diese Treffen und das universitäre Leben unheimlich spannend gewesen sein.

 

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Über die Riemann’sche Hypothese hatte ich im Zuge der Vorstellung der Millenniums Probleme schon einmal geschrieben: KLICK!

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Weitere Literatur zum Thema:

Über die Hypothesen, welche der Geometrie zu Grunde liegen, Bernhard Riemann, Springer Verlag

Die Musik der Primzahlen, Marcus du Sautoy, dtv Wissen

 

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4 Gedanken zu „Happy Birthday… Bernhard Riemann“

  1. Danke Becky, da ich aus Lueneburg kommen, kenne ich natuerlich das Johanneum Gymnasium auf das Bernhard Riemann ging und es gibt das Bernhard Riemann Gymnasium in Scharnebeck, 10 km von Lueneburg entfernt, aber ich wusste leider nicht so viel von Riemann, aber das hat sich gerade geaendert. Danke fuer den interessanten Einblick in sein Leben. Sonnigen Gruss aus Montreal , Sabine

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    1. Oh ja, stimmt, dann kennst du das direkt. Warst du auch dort auf der Schule oder Familie von dir?
      Ich freue mich wie immer sehr, wenn mein Artikel interessant war! 🙂
      Viele Grüße aus dem herbstlich – trüben Norddeutschland, Becky

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