Rezensionen

Was ich im Oktober gelesen habe…

Und vorbei ist der Oktober…  Angefangen hat er wie immer spannend mit der diesjährigen Nobelpreisankündigung, dann habe ich euch über den bevorstehenden Flug von Matthias Maurer zur ISS berichtet und endlich haben wir auch wieder etwas auf unserem YouTube-Kanal hochgeladen!

Für heute habe ich euch mal wieder eine bunte Mischung von Büchern mitgebracht: Für Kinder, für große Menschen, wir gehen in die Astrophysik, schauen uns scheinbar fiese Viecher an, der Klimawandel bleibt nicht unerwähnt und Physik geht doch auch immer, nicht wahr?! Viel Spaß beim Stöbern!

Penrose präsentiert die heutige Buchauswahl

Das mit den „netten“ und „fiesen“ Tieren ist ja wie so oft eher eine Sache des Geschmacks – ähnlich wie bei der Frage, ob es „Unkraut“ oder einfach „nicht selbst Angepflanztes“ ist, was man im Garten findet. In dem Buch „Fiese Viecher“ nehmen sich Véro Mischitz und Claduia Gotthardt gemeinsam dieser eher unbeliebten Tiere an und zeigen, warum sie eben doch nicht einfach doof sind – wobei es da wahrscheinlich sehr unterschiedliche Sichtweisen gibt, welche Tiere „fiese Viecher“ sind. Im Buch vorgestellt werden beispielsweise die Taube, der Wolf, Fledermäuse, Ratten, Wespen und einige andere.
Witzig ist dabei ganz besonders das Layout: Jedem Tier wurde eine Doppelseite gewidmet. Links stehen lauter Vorurteile (die Tiere gucken passend eher böse), auf der anderen Seite, aber über Kopf, wenn man das erste Mal durchblättert, stehen nette oder nützliche Eigenschaften des gleichen Tieres. So führt man im wahrsten Sinne einen Perspektivwechsel durch!
Unser Fazit: Das Forschermädchen fand das Buch direkt super und las es sofort in einem Rutsch durch, nimmt es aber auch immer wieder gerne zur Hand und freut sich über die Bilder und Infos rund um die Tiere.

Als nächstes habe ich ein Büchlein für euch dabei, was ich schon lange lesen wollte und nun habe ich es endlich geschafft: Das kleine Buch vom großen Knall. Becky Smethurst folge ich schon lange auf YouTube und es ist toll, wie sie komplexe Astrophysik so erklärt, dass viele sie verstehen und begeistert, gleichzeitig die Forschung als Forschung zeigt und nicht nur vereinfacht zeigt.
In diesem Buch nimmt sie uns mit auf eine Reise zu den spannenden Themen der Astrophysik, die Suche nach Exoplaneten, dem Verstehen des Urknall, Dunkle Materie und selbstverständlich widmet sie sich auch ihrem Lieblingsthema Schwarze Löcher.
Der Schreibstil ist locker und trotz der Übersichtlichkeit des Buches, schafft sie es, einiges an Wissen und Zusammenhängen unterzubringen. Ein tolles Einsteigerbuch, wenn man einfach mal einen leicht zu verstehenden Überblick möchte, der aber eben von einer Astrophysikerin geschrieben wurde.
Mein Fazit: Ich habe das Buch sehr gerne gelesen! Wirklich Neues habe ich nicht gelernt, aber ich habe mich mit den Themen auch schon viel beschäftigt. In meinen Augen ein tolles Einsteigerbuch, gut geschrieben und inhaltlich korrekt und auf den Punkt gebracht. Auch ein guter Einstieg für größere Kinder, die sich für das Thema interessieren!

Und weil es so schön passt, bleiben wir gleich bei einem ähnlichen Thema: Professor Astrokatz erklärt uns die Physik!
Ich kannte Prof. Astrokatz bis vor Kurzem gar nicht, freue mich aber, dass der Verlag mir die Reihe vorgestellt hat. Mitgebracht habe ich euch heute also das Physik – Buch (es gibt auch noch ein paar andere Themen).
Das Buch ist eines dieser großformatigen und komplett bunten Bücher, bei denen man sich eine Seite immer wieder anschauen kann und immer wieder ein neues Detail entdeckt. Wir lieben solche Bücher, weil es so spannend ist, sie durchzublättern. Jede Doppelseite beschäftigt sich mit einem Thema – dabei werden übrigens auch einige Themen behandelt, die eher in die Welt der Chemie gehören. Prof. Astrokatz und seine Freunde sind auf allen Seiten zu sehen, dazu gibt es noch jede Menge andere Zeichnungen, kleine Texte, die Zusammenhänge erklären
Unser Fazit: Ein spannendes, toll gemachtes Buch. Das perfekte Alter ist wahrscheinlich so grob 6 – 12 Jahre, aber ehrlich gesagt blättere ich darin auch gerne. Die Themen sind unglaublich vielfältig, die Zeichnungen hübsch und unterstützend für die wissenschaftliche Erklärung.

Beim nächsten Buch landen wir direkt wieder mit einem Knall der Ernüchterung auf der Erde, denn es geht um den Klimawandel. Eckart von Hirschhausen hat dazu nicht einfach ein Buch geschrieben, sondern mit deutlich über 500 Seiten einen echten Wälzer.
Im Buch geht es einmal quer durch alle möglichen Bereiche des Lebens, um Transport, Anbau, Ernährung allgemein und natürlich auch zu einem guten Teil um das, was der Klimawandel mit dem menschlichen Körper macht. Was heißt das eigentlich konkret aus Medizinersicht, wenn es bald 2 °C wärmer sein wird? Die Auswirkungen von ganz konkretem Verhalten werden sachlich auseinander genommen und das ist sehr schön zu lesen. In meinen Augen die perfekte Mischung aus klarer Kommunikation, Sachlichkeit, aber auch persönlicher Einschätzung, die aber immer als solche zu erkennen ist.
Die Kernthese vom Autor ist: „Wenn wir uns selbst als Menschen schützen wollen, müssen wir die Erde schützen!“und genau die belegt er in seinem Buch mit vielen, vielen Beispielen!
Mein Fazit: Auf dem Buchrücken wird „versprochen“, das Buch sei 10 % weniger lustig als früher. Das kann ich nicht beurteilen, weil dies mein erstes Buch von von Hirschhausen war. Ganz sicher ist das Buch über weite Teile nicht lustig, wer also eine Comedyshow mit Faktenbasis erwartet, der wird enttäuscht werden. Das Buch ist aber definitiv sehr gelungen und unbedingt lesenswert. Die Themen sind so vielfältig, dass man am Ende das Gefühl hat, man hat einen großen Überblick, die Fakten sind super recherchiert und der Ton ist klar, nicht beschönigend, aber trotzdem gut zu lesen.
Absolut empfehlenswertes Buch!

Gibt es weibliche und männliche Gehirne? Und wenn ja, inwiefern unterscheiden sie sich? Und wenn nein, warum glauben das so viele Menschen?
Mit dieser Thematik hat sich die Neurowissenschaftlerin Daphna Joel viele Jahre auseinandergesetzt und kommt dabei inzwischen zu einer sehr eindeutigen Antwort: Nein, es gibt nicht ein typisch weibliches Gehirn, was sich signifikant von einem männlichen unterscheidet. Jedes Gehirn besteht aus zahlreichen Mosaiksteinchen, die so für jeden Menschen eine ganz individuelle Zusammensetzung ergeben. Das ist in Kurzform ihr Grundergebnis und die eine Nachricht, die man aus ihrem Buch unbedingt mitnehmen sollte.
Im Buch beschreibt sie ausführlich ihre Forschungsarbeit, typische Alltagssituationen, bei denen wir selbst immer wieder merken können, wie festgesetzt die Idee von gendertypischen Aktivitäten oder Interessen ist und gibt ganz konkrete Ideen, wie man sich reflektierter verhalten kann. Ihren Appell, viel mehr auf die Verhaltensweisen an sich zu schauen (beispielsweise: bedrängendes Verhalten ist negativ), als auf die Menschen, die dieses Verhalten ausüben (bei Jungen / Männern wird Bedrängen öfter als „natürlich“ empfunden, womit sich die Mädchen / Frauen eben abfinden müssen), teile ich definitiv.
Mein Fazit: Ich fand das Buch und die Ergebnisse der Autorin sehr spannend! Dass jedes Gehirn grundsätzlich etwas verschieden ist, hat mich nicht gewundert, trotzdem ist es interessant, zu lesen, was sich in den letzten Jahren auf dem Gebiet der Neurowissenschaften bezüglich Gender und Gehirn getan hat!

Bereits im ersten Rezensionsartikel des Jahres hatte ich euch das Buch „Licht im Dunkeln“ von Heino Falcke mit Jörg Römer vorgestellt. Darin beschreiben sie die Hintergründe von Schwarzen Löchern und insbesondere die Geschichte, wie Heino Falcke und sein Team das erste Bild vom Schatten eines Schwarzen Loches aufnehmen konnten. Das Buch ist an sich schon sehr lesenswert: Die astrophysikalischen Grundlagen werden anschaulich beschrieben und man kann einiges über die Forschung rund um Schwarze Löcher lernen.
Nun ist das gleiche Buch noch einmal als illustrierte Ausgabe erschienen und deswegen stelle ich das Buch noch einmal vor! An Bildern wird hier auf jeden Fall nicht gespart und so macht es noch einmal viel mehr Freude, das Buch durchzublättern. Es gibt sowohl Fotos von der Pressekonferenz, von Galaxien, selbstverständlich viele vom Schwarzen Loch und dazu noch zahlreiche Graphiken, die wissenschaftliche Aussagen veranschaulichen.
Mein Fazit: Wer die erste Ausgabe noch nicht hat, sich aber für die Thematik interessiert, der sollte unbedingt über diese nachdenken. Die Graphiken und Bilder ergänzen den Text sehr gut und machen alles noch lebendiger!
Meine Rezension zur ersten Ausgabe findet ihr hier. Eine Leseprobe zum Buch findet ihr hier.

Als Abschluss geht es noch einmal in die Mathematikgeschichte für uns: In „Wie die Null aus dem Nichts entstand“ nimmt uns der Professor für Mathematikgeschichte Umberto Bottazzini mit in seine Welt und mit auf eine Reise durch die Zeit.
Jedes der sechs Kapitel ist einem Thema gewidmet – beispielsweise der Entstehung der Zahlen an sich, dem Auftauchen der Null, die Erkenntnis, wie man mit imaginären Zahlen umgehen kann, bis hin zur Entdeckung der nicht-euklidischen Geometrie. Ehrlich gesagt fand ich den Anfang etwas langatmig, je weiter man im Buch kommt, desto mehr Fahrt nimmt es dafür auf. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass in der zweiten Hälfte viele Geschichten lebendig erzählt werden, die ich ebenfalls sehr gern mag und erzähle – wie beispielsweise alles rund um Cardano und Tartaglia oder Gauß und die nicht-euklidische Geometrie.
Mein Fazit: Ein schöner Rundgang durch die Mathematikgeschichte, den man locker doppelt und dreimal so lang hätte machen können. Im Buch werden Schlaglichter auf zentrale Ereignisse geworfen, natürlich besteht kein Anspruch auf Vollständigkeit. Die Sprache des Autors ist sehr angenehm zu lesen, an sinnvollen Stellen unterstreichen Formeln oder Zeichnungen den Text. Insgesamt ein schönes Buch, insbesondere der zweite Teil!

Ok, das war doch noch nicht das letzte Buch für heute, eines habe ich noch… Ich glaube nicht, dass ich irgendjemandem, der hier mitliest, erklären muss, dass wir die unfassbar schnelle Entwicklung eines Impfstoffs gegen SARS-CoV-2 vor allem einer ganz neuen Art des Impfens verdanken, nämlich der mRNA-Impfung. Aber wer hat diese eigentlich entwickelt und wurde sie ursprünglich für dieses Virus untersucht?
Einer der ersten, der intensiver Experimente mit mRNA unternahm und diese Technik als erster so richtig nutzbar machte, war Ingmar Hoerr. Er wurde von einigen als heißer Anwärter auf den diesjährigen Medizin-Nobelpreis gehandelt – was er auch aus meiner Sicht war, trotzdem hätte es mich sehr gewundert, wenn er ihn dieses Jahr bereits erhalten hätte. Zurück zum Buch… Sascha Karberg, selbst Biologe, hat eine Biographie über Hoerr geschrieben, die uns den Menschen und seine Arbeit näher bringt. Von den Jahren im Universitätslabor, über die Unternehmensgründung, bis hin zu seinem inzwischen wohl berühmt gewordenem Zusammenbruch in Berlin im März 2020, nachdem er die Bundesregierung über die Möglichkeiten seiner Impfform informiert hatte und nur 2 Tage, bevor die WHO offiziell erklärt hat, dass wir es ab jetzt mit einer Pandemie zu tun haben.
Man merkt dem Buch an, dass sein Autor selbst für Biologie und insbesondere die mRNA brennt und so wird diese selbst ausführlich und anschaulich erklärt. Gespräche hat er für das Buch nicht nur mit Hoerr selbst, sondern auch mit seiner Frau und anderen, wichtigen Wegbegleitern geführt. Dadurch wird das Buch persönlicher und man bekommt ein Gefühl für den Menschen und die Arbeit.
Übrigens arbeiten die meisten Forscher, die sich mit mRNA-Impfungen beschäftigen vor allem an einem Impfstoff gegen Krebs und andere Krankheiten. Die Geschichte dieser neuen Form des Impfens endet ganz bestimmt nicht mit dieser Pandemie.
Mein Fazit: Auch wenn Hoerrs CureVac am Ende das „Rennen um den Impfstoff“ nicht gewann, ist die Geschichte sehr spannend und steht exemplarisch für viele ähnliche Start-ups. Der Fokus im Buch liegt klar auf Hoerrs Geschichte, aber auch die anderen Mitspieler in der mRNA-Forschung – und der Austausch zwischen ihnen – bleiben nicht unerwähnt. Insgesamt ein spannendes Buch für alle, die etwas mehr über das Wirken der Impfung und den Menschen dahinter erfahren möchten.

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Das Buch „Fiese Viecher“ von Véro Mischitz und Claudia Gotthardt umfasst 38 Seiten, kostet 15 Euro und erschien im Kosmos Verlag. Das Buch könnt ihr beispielsweise direkt beim Verlag, beim örtlichen Buchhändler oder bei Amazon bestellen.
Das Buch „Das kleine Buch vom großen Knall“ von Becky Smethurst umfasst 122 Seiten, kostet 12 Euro und erschien bei dtv. Das Buch könnt ihr beispielsweise direkt beim Verlag, beim örtlichen Buchhändler oder bei Amazon bestellen.
Das Buch „Prof. Astrokatz – Physik ohne Grenzen“ von Dominic Walliman und Ben Newman 65 Seiten, kostet 23 Euro und erschien im NordSüd Verlag. Das Buch könnt ihr beispielsweise direkt beim Verlag, beim örtlichen Buchhändler oder bei Amazon bestellen.
Das Buch „Mensch, Erde! Wir könnten es so schön haben“ von Eckart von Hirschhausen umfasst 520 Seiten, kostet 24 Euro und erschien bei dtv. Das Buch könnt ihr beispielsweise direkt beim Verlag, beim örtlichen Buchhändler oder bei Amazon bestellen.
Das Buch „Das Gehirn hat kein Geschlecht“ von Daphna Joel mit Luba Vikhanski umfasst 240 Seiten, kostet 16 Euro und erschien bei dtv. Das Buch könnt ihr beispielsweise direkt beim Verlag, beim örtlichen Buchhändler oder bei Amazon bestellen.
Das Buch „Licht im Dunkeln“ von Heino Falcke mit Jörg Römer umfasst 462 Seiten, kostet 28 Euro und erschien bei Klett Cotta. Das Buch könnt ihr beispielsweise direkt beim Verlag, beim örtlichen Buchhändler oder bei Amazon bestellen.
Das Buch „Wie die Null aus dem Nichts entstand“ von Umberto Bottazzini umfasst 190 Seiten, kostet 18 Euro und erschien bei dtv. Das Buch könnt ihr beispielsweise direkt beim Verlag, beim örtlichen Buchhändler oder bei Amazon bestellen.
Das Buch „Der Mann, der das Impfen neu erfand“ von Sascha Karberg umfasst 240 Seiten, kostet 20 Euro und erschien im Aufbau Verlag. Das Buch könnt ihr beispielsweise direkt beim Verlag, beim örtlichen Buchhändler oder bei Amazon bestellen.

Vielen Dank für die Bereitstellung als Rezensionsexemplar!

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