Allgemein, Astronomie, Raumfahrt, Unterwegs

Besuch beim Tag der Luft- und Raumfahrt (OHZ)

– inklusive Vortrag von Alexander Gerst!

Gestern, am Donnerstag, den 13. Juni, fand in Osterholz – Scharmbeck der Tag der Luft- und Raumfahrt statt. Und da das gar nicht so weit weg von meinem Wohnort ist, haben wir uns selbstverständlich auf den Weg dorthin gemacht!

Veranstaltet wurde die Aktion von Andreas Mattfeldt, bei dem man sich auch informell für die Vortrags- und Diskussionsveranstaltung anmelden musste. Das klappte im Vorfeld problemlos, weswegen wir uns vor allem auf den Vortrag von Alexander Gerst und die folgende Podiumsdiskussion freuten.

 

Zuerst schauten wir uns allerdings die angeschlossene Messe an, denn hier stellten verschiedene Unternehmen, die Universität Bremen, das „School Lab“ des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR), das Zentrum für angewandte Raumfahrttechnologie und Mikrogravitation (ZARM), die Astronomische Vereinigung Lilienthal, die Bundeswehr, der Bremer Verein für Luftfahrt und der Verdener-Luftfahrt-Verein und einige andere aus. Da der Platz allerdings recht überschaubar war und sich viele, viele Menschen durch den Gang schoben, konnten wir an keinem Stand wirklich ins Gespräch kommen. Toll fand die Kleine vor allem ein Modell eines Mondroboters und der Luft-Astronaut im Eingangsbereich war ein echter Hingucker.

Das Highligt der Veranstaltung war ganz klar der Vortrag von Alexander Gerst und zu diesem Termin war die Halle dann auch proppenvoll. Bereits eine Stunde vor Vortragsbeginn wurden die guten Plätze ziemlich knapp. Wir hatten allerdings Glück und entdeckten mehr oder weniger durch Zufall, dass es eine erhöhte Empore gab, wo zu diesem Zeitpunkt noch kaum jemand saß. Perfekt vor allem für das Forschermädchen: Wir saßen erhöht in der ersten Reihe, also mit perfektem Blick.

Alexander Gerst wurde mit donnerndem Applaus begrüßt, woraufhin er die schöne Landschaft und vor allem den Raumfahrtstandort Bremen und das Umland lobte. Danach hielt er rund eine Stunde einen Vortrag, den er mit vielen Bildern anschaulicher machte. Als Einstieg wählte er einen Vergleich, der eigentlich vielen Spektikern den Wind aus den Segeln nehmen sollte: Der Kohlenstoffausstoß einer Rakete entspricht rund einem Drittel eines Flugs über den Atlantik. Ohne Frage ist das viel, aber dafür wird auf der ISS vielfältige, wichtige Forschung betrieben. Auch das war ihm extrem wichtig: Die Experimente, die dort durchgeführt werden, können nicht auf der Erde durchgeführt werden. Sie werden alle sehr genau ausgewählt und dienen keinem netten Zeitvertreib an sich (dass sie dabei auch noch oft Spaß machen, ist ja kein Manko). Beispielsweise werden auf der ISS Pflanzen gezüchtet, die schneller wachsen, damit sie auch in Gegenden angebaut werden können, die stark vom Klimawandel betroffen sind. Indem man den Pflanzen auf der ISS das oben und unten wegnimmt, züchtet man schneller wachsende. Auch Kristalle und Tumore wachsen auf der ISS ganz anders, als auf der Erde in Petrischalen. Da sie auf der ISS 3-dimensional wachsen, wie im Körper, kann man diese viel sinnvoller untersuchen.* Auch über die Raketenexplosion beim Start vom 4. Oktober (ich berichtete hier darüber) erzählte Gerst und man merkte, wie nah ihm das Ganze gegangen ist. Er sprach über noch viel mehr: Dass wir die Erde schützen müssen, über die Landung auf der Erde, darüber, dass er früher Astronauten für Supermänner gehalten habe, was nicht den Tatsache entspricht und man seinem Traum auf jeden Fall eine Chance geben sollte und vieles mehr. Der Vortrag endete mit einem 3-minütigen Video von Gersts liebsten Zeitrafferaufnahmen.

Fragen durften im Anschluss ebenfalls ein paar gestellt werden, leider konnte ich meine nicht loswerden, weil das Fragevorrecht bei Kindern und Jugendlichen lag. Immerhin wurde die Frage des Forschermädchens beantwortet (allerdings nicht von ihr, sondern einem anderen Mädchen gestellt): Der nach dem Lieblingsessen. Alexander Gerst erzählte, dass das Essen an sich sehr gut sei, allerdings würde es einfach nach ein paar Monaten langweilig, wenn man nur eine sehr begrenzte Auswahl zur Verfügung habe. Seine Favoriten waren deshalb auch Butter Chicken und Käsespätzle – zwei Gerichte, die er sich selbst hatte aussuchen dürfen und die nicht aus dem großen Pool des Auswahlgerichte stammten.

Beteiligt an der anschließenden Podiumsdiskussion waren (auf dem Bild von links nach rechts): Jens Lassmann (Airbus), Alexander Gerst (ESA), Andreas Mattfeldt, Marco Fuchs (OHB) und Oliver Juckenhövel (Ariane Group)
Wie man schon an dem Bild im Hintergrund leicht erkennen kann, ging es bei der Diskussion weniger um die ISS und seine Besatzung, als vielmehr um die kommenden Ziele der Raumfahrt. Allen voran wurde hier – wie auch schon bei dem Internationen Raumfahrtkongress letztes Jahr – der Mond ganz konkret und prominent immer wieder in den Vordergrund gesetzt. Er gilt als das nächste große Ziel und dieses Mal ginge es nicht darum, einmal den Fuß auf den Mond zu setzen, damit man erster sein. Ganz im Gegenteil geht es um das Gateway, also eine bemannte Station im Mondorbit und längere Aufenthalte auf dem Mond, um dort zu forschen. Berichtet wurde in dem Kontext beispielsweise über den Stand der Ariane 6, die im Moment ausführlich getestet wird und 2020 einsatzbereit sein soll.

„Wir machen alles, dass wir 2020 fliegen!“ – Oliver Juckenhövel über die Ariane 6

Marco Fuchs (OHB) stellte seine Einschätzung zur Raumfahrt dar und sprach über die aktuelle Arbeit an „Hera“. Hera ist Teil eines Meteroitenabwehrsystem, was im Moment entwickelt wird und uns in der Zukunft schützen soll. Nach Fuchs steckt die Raumfahrt im Moment in einem Umbruch: Der erste Schritt sei die Exploration (also die Entdeckung) des Weltraums gewesen, der zweite sei die Nützlichkeit für die Erde (beispielsweise, dass wir mit Hilfe der Experimente von der ISS bessere Medikamente auf der Erde herstellen können) und nun gehen wir langsam auf den dritten Schritt zu: Das Beschützen unserer Erde (vor Sonnenstrahlen, Asteroiden oder Weltraumschrott).

Auch um das nächste NASA Raumschiff „Orion“ ging es. Orion soll das erste interplanetare Raumschiff werden und ist so geplant, dass es Menschen bis zum Mars und auch wieder zurück bringen kann.

„Ohne Bremen fliegt niemand zum Mond!“ – Jens Lassmann (Airbus)

Was mir an der Podiumsdiskussion besonders gefiel, war auf der einen Seite die Sachlichkeit und Unaufgeregtheit der Teilnehmer in Kombination mit den teils schon sehr konkreten Antworten und Terminen, die in den Raum geworfen wurden. Ich bin sehr gespannt, diese Aussagen in der Zukunft quasi „überprüfen“ zu können. Auch Andreas Mattfeldt gab einen guten Moderator ab: Inhaltlich wirkte er informiert, stellte gute Fragen und ließ die anderen vier ausreden.
Als Abschluss bekamen die Teilnehmer dann noch ein kleines Abschiedsgeschenk in Form einer Torfkahnfahrt (wofür die Gegend hier um Osterholz-Scharmbeck und speziell Worpswede tatsächlich sehr bekannt ist) und eines Gutscheins für den Besuch des Telescopiums in Lilienthal für Alexander Gerst. Falls es mal zu einer Fahrt oder einem Besuch kommen sollte, wäre das sicherlich ebenfalls einen Bericht wert!

In einem Moment habe ich übrigens während der Messe nicht geschaltet: Gerade, als ich ein Bild vom Forschermädchen machte, spielte Andreas Mattfeldt Photobombe, sagte noch Hallo und war schon wieder verschwunden. Ein netter Kommentar von ihm über die Veranstaltung wäre schön gewesen. Nun ja, nächstes Mal… Und mit diesem Bild vom tollen Himmel über Osterholz-Scharmbeck in unsere dünne, beschützenswerte Atmosphäre beende ich den Bericht über unseren Ausflug!

Insgesamt hat uns der Tag der Luft- und Raumfahrt in OHZ sehr gut gefallen! Gerade für solch ein Städtchen war es eine prominent besetzte und sehr informative Veranstaltung, die es gern wieder geben dürfte, wenn es nach uns ginge!

 

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Wer sich für diesen Artikel interessiert, findet vielleicht auch meinen Bericht vom Internationen Raumfahrtkongress vom letzten Jahr spannend!

Der Artikel wurde nicht gesponsert.

* Das Thema „Experimente auf der ISS“ und „Wofür brauchen wir das eigentlich alles?“ kann leicht einen eigenen Artikel füllen. Hast du Interesse daran? Schreib es mir in die Kommentare!

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