Allgemein, Astronomie, Unterwegs

Ein Tag auf dem internationalen Raumfahrtkongress

Dieses Jahr steht Bremen ganz besonders im Zeichen der Raumfahrt!

Das tut Bremen im Prinzip immer, aber meist findet die Forschung und auch die praktische Umsetzung eher hinter verschlossenen Türen statt. Dieses Jahr ist das anders und über das Jahr verteilt gibt es immer mal wieder tolle Aktionen, man kann den Fallturm, OHB und viele andere Einrichtungen besichtigen und Anfang Oktober wurde sogar der International Astronautical Congress hier abgehalten!


Am 3. Oktober war der Kongress nicht nur für Fachbesucher, sondern für die Öffentlichkeit geöffnet und diese Chance konnte ich mir natürlich nicht entgehen lassen! Mit meiner Kleinen zusammen machte ich mich also auf den Weg nach Bremen. Dort begrüßte uns direkt eine riesige Ariane vor dem Messezentrum. Ich vermute, es gibt so gut wie keinen, der sie nicht abgelichtet hat…

Für uns bestand der Tag dann vor allem aus vier Teilen:

Zum ersten gingen wir direkt in die große Halle der Messe, hier haben mehrere tausend Menschen Platz und als es dann mit dem ersten Highlight losging, war die Halle mit über 6.000 Zuschauern gut gefüllt. Was auf solch einem Kongress so viele Menschen anzieht? Ein In-flight Call zur ISS! Inklusive 20-minütigem Interview mit Alexander Gerst. Das war wirklich großartig! Gerst sprach über sein Leben an Bord, vor allem betonte er aber immer wieder sein Anliegen, dass wir alle verstehen müssen, dass wir keinen Planet B zur Verfügung haben! Im Prinzip und in der Theorie haben wir wohl alle inzwischen verstanden, dass unsere Ressourcen hier auf der Erde beschränkt sind und wir besser mit ihnen haushalten sollten. Auch, dass die Erde ein winziger Ort im Universum ist und wir eben nicht einfach zwei Planeten weiter ziehen können, wenn es uns hier nicht mehr gefällt, weiß jeder. Wenn man aber von der ISS aus auf den Planeten schaut, ist diese Erkenntnis nicht nur sonnenklar, sondern es sei erschreckend, WIE limitiert unsere Ressourcen sind. Auch über aktuelle Forschung und Experimente sprach Gerst. Auf meiner Instagramseite habe ich einige Videoausschnitte online gestellt, schaut dort gern mal vorbei (das geht auch ohne eigenes Konto). Das ganze Interview wurde von verschiedenen Menschen geführt, die alle 1-2 Fragen stellen durfen und moderiert von einer Raumfahrtwissenschaftlerin aus Großbritannien. Die Moderation war übrigens über den ganzen Nachmittag sehr gut und sehr kurzweilig, ohne dabei überdreht zu werden.

Nach diesem riesigen Zuschauermagneten leerte sich die Halle rasend schnell, obwohl danach ein weiterer, sehr spannender Programmpunkt auf dem Plan stand: Eine Interview- / Diskussionsrunde von einigen Astronauten. Hier vertreten waren beispielsweise Thomas Reiter, Ernst Messerschmid und Matthias Maurer. Maurer hatte gerade in der vergangenen Woche erfahren, dass er innerhalb der nächsten drei Jahre selbst ins All fliegen würde. Was für ein toller Rahmen, solch eine Nachricht zu feiern, findet ihr nicht auch? Im Rahmen dieser Runde wurden einige Fragen beantwortet, die ausgewählte Zuschauer stellen konnten. Schön finde ich immer auch nette Anekdoten, die zwar selten in den wissenschaftlichen Publikationen auftauchen, aber eben zum Leben dazu gehören – auch im Weltall. Beispielsweise ging es um das Essen…

You don’t go to space because of the food. – Thomas Reiter

oder auch um das soziale Leben, denn auch die Astronauten arbeiten nicht rund um die Uhr. Ein Highlight sei an Bord immer die Ankunft von neuen Versorgungskapseln, die auch frische Früchte liefern, die dann zusammen gegessen würden. Auch Filme schauen die Astronauten gemeinsam. Der wahrscheinlich speziellste Ort, an dem jemand „Appollo 13“ gesehen hat? Die ISS! Thomas Reiter erzählte, dass er den Film dort oben das erste Mal gesehen hätte. Alle waren sich außerdem einig darüber, dass es im All im Großen und Ganzen tatsächlich egal wäre, aus welchem Land jemand ursprünglich stammt, alle arbeiten zusammen und so lautete die Antwort auf die Frage, was das größte Problem der Raumfahrt der nächsten Jahre wäre, im Chor und wie aus einem Mund: Die Politik!

Als drittes Highlight möchte ich ganz eindeutig noch den Kommandantenwechsel nennen! Ich weiß nicht, warum es nicht vorher so bekannt gemacht wurde, wie der erste in-flight call, aber als das zweite Mal an diesem Nachmittag auf die ISS geschaltet wurde, war die Halle deutlich leerer und als ich später mit ein paar Menschen sprach, hatten diese gar nicht mitbekommen, dass es diese zweite Schalte geben würde. Wie dem auch sei, wir hatten die Möglichkeit, dabei zu sein, als Andrew Jay Feustel seine Kommandantenaufgabe an Alexander Gerst weitergab. Feustel kehrte am folgenden Tag mit zwei anderen Astronauten wieder zur Erde zurück. Sowohl Feustel, als auch Gerst sagten noch einige Worte, beide betonten die gute Zusammenarbeit und nach knapp 10 Minuten war dieser in-flight call auch schon wieder beendet.

Als Abschluss waren wir noch kurz in dem Messeteil. Hier stellten viele Unternehmen aus, viele Länder stellten ihr Raumfahrtprogramm vor und die Hallen waren sehr gut gefüllt! Hier lasse ich am besten einfach ein paar Bilder sprechen…

Eine Notiz am Rande: Irgendetwas mache ich bei Messen grundsätzlich falsch, scheint mir. Fast alle Menschen laufen an mir jedes Mal mit großen Taschen von den verschiedensten Ausstellern durch die Gegend. Ich habe solche noch nie bekommen… Also falls ihr gute Tipps für mich habt: Immer her damit. Ich bin doch so neugierig und wüsste zu gern, was sich in den Taschen versteckt.

Insgesamt war der Ausflug richtig toll und vor allem von dem Interview mit Alexander Gerst sprechen wir noch oft und er hat einen tiefen Eindruck hinterlassen.

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Ein kleiner Nachtrag: Wie erwähnt verließen am 4. Oktober drei Astronauten die ISS. Am 11. Oktober sollten die beiden Astronauten Nick Hague (NASA) und Alexei Ovchinin (Roscosmos) zur ISS fliegen. Beim Start der Sojus – Rakete ist wohl ein Booster ausgefallen, weswegen die beiden notlanden mussten. Nach Angaben der amerikanischen und russischen Verantwortlichen sind sie im Osten von Kasachstan gelandet. Anschließend kamen sie in ein Krankenhaus für einige medizinische Tests, beiden geht es wohl gut.
Alexander Gerst, Serena Auñón-Chancellor und Sergey Prokopyev bleiben nun erst einmal zu dritt auf der ISS. Über ein neues Datum für einen erneuten Flug zur ISS weiß ich noch nichts.
Nick Hague ist inzwischen wieder in Houston und wird heute um 17 Uhr (deutscher Zeit) ein Interview geben. Wer mag, kann es HIER ansehen.

Update: Man kann das Interview auch noch einmal bei Youtube ansehen: KLICK!

 

Quellen:
NASA
Spektrum.de

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Der Artikel ist von keiner Seite / keinem Unternehmen o.ä. gesponsert.

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6 Gedanken zu „Ein Tag auf dem internationalen Raumfahrtkongress“

    1. Danke schön! Es war wirklich ein toller Tag für uns beide!
      Ich folge ihm auf Instagram und auch dort ist es seit 5 Tagen ruhig. Auch wenn es den beiden zum Glück gut geht, ist solch eine Notlandung bestimmt ein Schock für alle Beteiligten. Ich bin gespannt, wie es weitergehen wird…
      Liebe Grüße, Becky

      Gefällt 1 Person

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