Biographien, Happy Birthday to..., Medizin

Happy Birthday… Shirley Hodgson!

Was würdet ihr sagen, wenn euer Kind zu euch käme und sagt, es möchte gern gestorbene Tiere im Garten vergraben, irgendwann wieder ausbuddeln und dann die Skelette wieder zusammenbauen?

Und damit willkommen zu endlich mal wieder einer neuen Biographie! Heute dreht sich hier alles um Shirley Hodgson, die heute 77 Jahre alt wird!

„Um wen geht es heute?“, mögen sich jetzt einige fragen, denn ich gebe zu, sie ist nicht ganz so bekannt, wie die anderen Menschen, die ich euch im Zuge dieser Reihe bereits vorgestellt habe. Nichtsdestotrotz lohnt sich ein Blick auf ihre Geschichte und spätestens wenn ich euch verrate, dass ihr Mädchenname Penrose lautet, werdet ihr wohl verstehen, warum ich mich mit ihr beschäftigt habe… Tatsächlich ist es so, dass ich auch erst, nachdem ich mich schon lange mit Rogers Leben und Forschung beschäftigt hatte, zufällig von ihr erfuhr. Wie kann das sein, wo er doch regelmäßig von seinen Eltern und seinen Brüdern erzählt? Ich vermute, dass es mit dem großen Altersunterschied zwischen den Brüdern und der Schwester zusammenhängt.

Shirley Hodgson bei einer Konferenz im September 2008 (Bildquelle: http://www.histmodbiomed.org)

Aber fangen wir vorne an: Shirley Victoria Hodgson wurde am 22. Februar 1945 im kanadischen London (Ontario) geboren, wo sie allerdings nicht lange lebte, denn schon ein paar Monate später ging die Familie zurück ins britische London. Ihr Vater war der Genetiker Lionel Penrose, ihre Mutter Margaret Leathes war Ärztin und sie hatte gleich drei ältere Bürder: Oliver, Roger und Jonathan. Shirley war ein klassisches Nachzüglerkind, ihre Brüder waren 16, 14 und 12 Jahre älter als sie. Die Familie wanderte 1939 kurz vor Beginn des 2. Weltkriegs vom britischen ins kanadische London aus, wo der Vater Direktor einer psychiatrischen Klinik wurde. Da die Familie kurz nach der Geburt von Shirley wieder nach England zog, wuchs sie dort auf.

Sie erinnert sich in Interviews daran, dass das Haus in ihrer Kindheit immer voller Menschen war, die Eltern mochten es, Wissenschaftlerfreunde um sich herum zu haben, Jonathans Schachlehrer wohnte eine ganze Weile bei der Familie und es gab überall Bücher und Dinge zu entdecken. Shirley interessierte sich schon früh dafür, wie die Welt funktionierte und so ist die Geschichte aus der Einleitung tatsächlich so passiert: Wenn Haustiere starben, grub sie die Tiere ein, buddelte sie nach einiger Zeit wieder aus, putzte die Knochen und baute die Skelette wieder zusammen. Nicht aus einer morbiden Idee heraus, sondern weil sie verstehen wollte, wie die Knochen zusammenarbeiten. Ihr Kinderzimmer beherbergte deswegen gleich mehrere Skelette.

Die Geschwister Roger, Shirley, Oliver und Jonathan (von links, nach rechts)

Nach der Schule studierte sie am Somerville College in Oxford, merkte aber schnell nach ihrer Hochzeit 1971 mit dem Mediziner Humphrey Hodgson, dass sie als Mutter mit zwei Kindern keine eigene wissenschaftliche Karriere haben würde in den nächsten Jahren. Außerdem hatte sie das Gefühl, als Tochter eines weltberühmten Genetikers sollte sie nicht unbedingt in die gleiche Richtung geben, obwohl sie die Genetik schon immer besonders interessiert hatte.

So wurde sie stattdessen erst einmal Ärztin. Nachdem sie ihren ersten Arbeitgeber damit verärgert hatte, dass sie die Pille auch an unverheiratete Mädchen und Frauen verschrieb, fand ihr Mann eine kleine Stellenanzeige für das Guy’s Hospital in London, wo sie als Ärztin und später Stellvertreterin für klinische Genetik anfing. Dort fühlte sie sich wohler und merkte sofort, dass die klinische Genetik ihre Richtung war und sie sie nicht noch einmal verlassen wollte.
Zwischen 1983 und 1988 war sie Oberärztin für klinische Genetik am South Thames (East) Regional Genetics Centre und am Hammersmith Hospital, ebenfalls beides in London, zwischen 1988 und 1990 war sie dann am Addenbrooke’s Hospital in Cambridge.
Parallel zu ihrer Arbeit als Ärztin machte sie ein weiteres Examen, was ihr erlaubte, eigene Forschung voranzutreiben. Beispielsweise forschte sie an der Duchenne – Muskeldystrophie, einer muskulären Erbkrankheit bei Kindern. Mitten in ihrer eigenen Forschungsarbeit wurde das Gen für diese Krankheit gefunden und Hodgson und andere konnten daraufhin einen Test entwickeln, der in der Schwangerschaft bereits Auskunft darüber gibt, ob das Kind Duchenne hat. Für Mütter, die Trägerinnen sein könnten, ist dies eine große Erleichterung und ein großer Fortschritt gewesen. Auch Mutationen konnte sie untersuchen. Gerade diese Kombination aus theoretischer Forschung und praktischer Arbeit mit Patienten mochte Hodgson besonders, Laborarbeit dagegen überließ sie lieber anderen.
Vor allem ab ihrer Zeit in Cambridge wendete sich Hodgson mehr der Erforschung der Genetik von Krebs zu. Im Jahre 1993 erschien dann auch das Buch „A Practical Guide to Human Cancer Genetics“, was sie gemeinsam mit Eamonn Maher geschrieben hatte und was sie noch immer als eine ihrer wichtigsten beruflichen Leistungen betrachtet. In den 90er Jahren leitete sie den Genetics Service des Guy’s and St. Thomas Hospital, wo sie parallel forschen konnte.

Shirley Hodgson bei einem Interview 2015, Quelle ist unten verlinkt

Inzwischen waren die Kinder groß und sie musste nicht mehr Teilzeit arbeiten, sondern konnte sich beruflich ganz mit dem beschäftigen, was sie wollte und so wurde sie 2003 Professorin für Genetik von Krebs am St. George’s der University of London. Inzwischen ist sie emeritiert, arbeitet seitdem aber wieder als Ärztin (die Penroses scheinen zu den Menschen zu gehören, die einfach niemals aufhören mit der Arbeit…).

Gemeinsam mit ihrem Mann Humphrey (ebenfalls Professor für Medizin) wollte Shirley Hodgson in Namibia und dem Iran etwas sinnvolles tun und so reisten sie beide an ein neugegründetes Krankenhaus in Namibia, wo Studenten als Ärzte ausgebildet werden sollten, sie aber niemanden hatten, der dieses praktische Training übernehmen konnte. Spontan wurde dabei nicht nur Humphrey als Internist eingesetzt, sondern auch Shirley als Pädiatrin (Pädiatrie = Kinderheilkunde). Ihre Aufgabe war dabei nicht nur das praktische Training und die Wissensvermittlung, sondern das Aufsetzen eines komplett neuen Curriculums. In den Iran gingen beide wieder zusammen durch ein Austauschprogramm des St. Thomas Hospital an dem Humphrey arbeitete. Sie wurden in Schiras für 6 Monate eingesetzt und lernten dort auch etwas Farsi, um sich verständigen zu können – wobei Shirley Hodgson selbst von einem „medical farsi“ spricht, sie könnte Aufnahmegespräche von Patienten auf Farsi führen, im alltäglichen Leben käme sie nicht allzu weit…

Sie ist Fellow of the Royal College of Physicians und Fellow of the Royal Society of Biology.

Und das war es auch schon wieder für heute. Ich hoffe, euch hat der Blick in das Leben einer spannenden Medizinerin gefallen! Schreibt mir gern in die Kommentare, wenn ihr Wünsche habt, wen ich demnächst vorstellen soll!

Ihr wollt noch mehr über ihre Bruder Roger Penrose erfahren? Dann schaut doch mal hier vorbei: KLICK!

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Es gibt eine sehr sehenswerte Reihe von kleinen Interviews aus dem November 2015, die ich auch als Hauptquelle für diesen Artikel benutzt habe. Aufgenommen in der Queen Mary University of London, die Fragen stammen von Tilli Tansey. Hier geht es zu der Reihe: Klick!
Übrigens habe ich auch den Wikipediaartikel über Shirley Hodgson geschrieben, denn weder hatte sie einen eigenen, noch wurde sie in dem ihrer Familienmitglieder erwähnt.

Bildnachweise:
The history of modern biomedicine, Professor Shirley Hodgson at the Witness Seminar on ‚Clinical Genetics in Britain: Origins and Development‘, September 2008.
Das Bild der Geschwister habe ich HIER gefunden, den Urheber kenne ich nicht.

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