Allgemein

Was ich im April gelesen habe…

Diesen Monat habe ich euch eine spannende Sammlung von Populärwissenschaftlichen Büchern mitgebracht, einige sind für Erwachsene, ein paar Tipps für Nachwuchsforscher sind aber auch dabei. Besonders ist die Sammlung vor allem dadurch, dass wir für diesen Blog mal eher untypische Bereiche der Naturwissenschaften besuchen: Meeresbiologie haben wir zum Beispiel gleich zwei Mal dabei, Vogelbeobachtung ist ein Thema, dann gibt es noch etwas über die Wissenschaftlichen Methoden allgemein, mit der allgegenwärtigen Epidemiologie beschäftigen wir uns und dann gibt es noch ein tolles Buch über inspirierende Frauen!
Wir haben den letzten Teil des Aprils (und die ersten Tage des Mais) in Quarantäne verbracht, dadurch konnten wir nicht raus in die Natur, haben die Zeit aber genutzt, um ein paar Videos zu filmen, die jetzt nach und nach online gehen werden. Schaut doch mal auf unserem Kanal vorbei, wir würden uns sehr freuen!

Penrose präsentiert die heutige Auswahl an Büchern!

Auf das erste Buch hatte ich mich im Vorfeld sehr gefreut und nachdem ich an der Pressevorstellung teilnehmen konnte (können wir bitte mehr davon digital lassen?!), freute ich mich noch mehr auf die Lektüre. Mai Thi Nguyen-Kim hat ihr zweites Buch vorgelegt und ich sage es gleich am Anfang: Es hat mir noch viel mehr gefallen, als das erste!
In diesem Buch nimmt sie den Leser mit ihr die Welt des wissenschaftlichen Streitens, es geht um Konsens und was das im wissenschaftlichen Kontext überhaupt bedeutet. Oder anders gefragt: Wie sieht gute Wissenschaft aus? Vor allem: Wie erkennt man, ob Studien aussagekräftig sind? Wissenschaftliche Methodik ist hier das Stichwort! Anhand vieler Beispiele untersucht sie, was wir zu ganz konkreten „Streitfragen“ eigentlich sagen können und was eben auch nicht. Die Sprache ist dabei immer einfach verständlich, aber trotzdem klar in der Sache. Wichtige Stichpunkte sind farblich gekennzeichnet, was ich super finde! Zusätzliche Kästen erklären einiges wichtige Hintergrundwissen, was man überspringen kann, wenn man sich darin sicher fühlt und beispielsweise keine Erklärung über die DNA an sich oder Korrelationen braucht. Schön hätte ich gefunden, wenn diese Kästen nicht mitten in Sätzen beginnen, aber abgesehen davon finde ich diese Darstellung sehr gelungen.
Mein Fazit: Dass Mai Thi wissenschaftliche Ideen und Methoden verständlich und anschaulich erklären kann, weiß jeder, der schon eines ihrer Videos gesehen hat. In diesem Buch stellt sie ganz konkrete Fragen / Beobachtungen, wie Erblichkeit von Intelligenz, Pharma vs. Alternative Medizin oder den Gender Pay Gap zur Diskussionen und zeigt an diesen Beispielen nicht nur, was wir zum konkreten Beispiel sagen können, sondern zeigt die Methodik an sich. Sehr spannend, leicht zu lesen und informativ!

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Robert Koch ist eine Person, von der seit einem guten Jahr wohl jeder gehört hat… Der deutsche Mediziner, Mikrobiologe und Hygieniker, der zwischen 1843 und 1910 lebte, hat wichtige Forschung auf dem Gebiet der Krankheitserreger durchgeführt und wurde dadurch zum Mitbegründer der modernen Bakteriologie. Um ihn, beziehungsweise um drei ausgewählte Episoden aus seinem Leben, geht es in diesem Buch.
Der Autor hat sich drei Beispiele aus dem Leben Kochs vorgenommen und erzählt sie an historischen, belegten Fakten fiktional nach. Was wir im Buch lesen, ist also nicht in den Details und konkreten Gesprächen passiert, aber alle die wichtigsten Personen gab es und die Situationen haben so stattgefunden. Umso eindrucksvoller und teils auch bedrückender ist es, wenn es im ersten Teil um Tierversuche auch an Kochs eigenem Haustier (dem Affen aus dem Titel) und seinem Umgang mit vertrauten Menschen geht. In Berlin ist die Welt insgesamt aber noch relativ behütet, wenn man sie mit dem zweiten Teil – Kochs Expeditionsreise nach Afrika – oder dem dritten – einem späteren Besuch in New York – vergleicht. Gerade der Afrika-Teil ist oft nicht leicht oder angenehm zu lesen, denn hier geht es um grausame Menschenversuche, die in Deutschland verboten waren und deswegen in der Kolonie ohne Zustimmung durchgeführt wurden. Auch im letzten Fall geht es um Freiheitsberaubung an dem konkreten Beispiel von Mary Mallon, die insgesamt 26 Jahre eingesperrt wurde, weil sie als Überträgerin von Typhus galt.
Am Ende des Buches gibt es dann noch einige Quellenangaben, was ich gerade bei diesem Thema sehr hilfreich und wichtig finde. Wenn man möchte, kann man also noch einmal konkret nachschauen, welche Teile genau überliefert sind.
Mein Fazit: Das Buch ist interessant und auch spannend, aber nicht immer leicht verdaulich. Es gibt ein eindrucksvolles Bild von der nicht immer schönen Medizingeschichte, verbunden in diesem Fall auch noch mit Kolonialverbrechen. Das klingt wahrscheinlich düster und anstrengend und ja, das ist es auch, trotzdem lässt sich das Buch gut lesen und berichtet über die damalige medizinische Forschung und was passieren kann, wenn man mikroskopische Beobachtungen vom Wohl des konkreten Menschen isoliert.

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Im nächsten Buch geht es um 14 mutige Frauen, die als Abenteuerinnen, Forscherinnen und Vorreiterinnen ein spannendes Vorbild sein können!
Die Sammlung startet mit Maria Sibylla Merian (1647 – 1717) und spannt den Bogen bis zu Mae Jemison (*1956), wobei der historische Schwerpunkt Ende des 19. Jhd. bis Anfang des 20. Jahrhunderts liegt. Merian und Jemison sind übrigens die beiden Frauen auf dem Cover. Toll fanden wir, dass es einige echte Fotografien der Frauen gibt und nicht nur Zeichnungen – wobei letztere ebenfalls sehr schön sind! Der Schriftsil ist recht einfach und perfekt für etwas ältere Kinder. Auch die Kapitellängen sind perfekt – nicht zu kurz, aber auch nicht zu lange. Sie geben jeweils einen guten Eindruck über das Leben der jeweiligen Frau, wer Genaueres wissen möchte, muss natürlich noch andere Literatur suchen.
Mein Fazit: Ein super Buch! Es wird noch immer viel zu wenig über spannende, historische Frauen berichtet und dieses Buch bietet einen tollen Überblick und Eindrücke in ganz verschiedene Leben, die aber zwei Aspekte gemeinsam haben: Wissensdurst und das Nicht-Akzeptieren von gesellschaftlichen Normen.
Vor einer Weile habe ich euch schon Rebel Minds vorgestellt. Das Buch stammt aus dem gleichen Verlag, verfolgt einen ganz ähnlichen Ansatz und ist ebenfalls sehr empfehlenswert!

Zugegebenermaßen bin ich nicht die größte Naturkennerin, es wäre zwar toll, jede Pflanze oder jedes Tier zu kennen, denen man draußen über den Weg läuft, aber das ist aktuell nicht der Fall. Umso spannender fand ich das Buch „Birding für Ahnungslose“ von Véro Mischitz, die ich schon länger von Instagram kenne und deren Wissenschaftscomics ich gerne weiterempfehle!
Um was geht es in dem Buch? Um alles, was man wissen muss, um sich der Vogelbeobachtung zu widmen! Es gibt Übersichten dazu, zu welcher Uhrzeit / in welchen Monaten man welche Vögel am ehesten sieht, wie ihre Nester, ihr Gefieder oder die Schnäbel aufgebaut sind und worauf man beim Beobachten diesbezüglich achten kann. Auch die 50 geläufigsten und am besten zu beobachtenden Arten vor Ort sind in kleinen Portraits vorgestellt. Besonders gefallen hat mir auch die Übersicht über schwarz-weiße Silhouetten der Vögel beim Fliegen. Denn oft sieht man die Vögel ja tatsächlich nur am Himmel vorbeifliegen.
Das Buch ist, typisch Véro, voller Comics, die lustig sind, aber immer auch eine Aufgabe für das Thema haben. Hier schnacken Menschen miteinander, was man beim Vogelbeobachten beachten sollte oder die Vögel selbst zwitschern in ihren typischen Lauten oder einiges mehr. Fotografien gibt es im Buch nicht, dafür aber tolle gezeichnete Bilder der einzelnen Arten.
Mein Fazit: Tolle Graphiken, lustige Comics und eine super Einführung für die Vogelbeobachtung! Ist nicht explizit ein Kinderbuch, macht aber groß und klein viel Spaß! Ich bin sicher, dass uns das Buch noch einige Male dabei helfen wird, dass wir noch besser Vögel beobachten können und diese vor allem auch noch besser benennen können!

Das nächste Buch ist eine neue Ausgabe aus der C.H.Beck Wissen – Reihe. Die kleinen Büchlein gibt es ja zu den verschiedensten Themen und nun also auch zu Pandemien.
Der Autor kennt sich in dem Bereich aus, er war selbst Präsident des Robert-Koch-Instituts und bis 2020 Präsident der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina. Wenn jemand einen Überblick über Pandemien und Epidemien haben sollte, dann gehört Jörg Hacker sicherlich dazu.
Auf knapp 130 Seiten gibt das Buch einen sehr guten Überblick, was Pandemien eigentlich sind, wie sie sich verbreiten, was man dagegen tun kann, stellt einige Erreger vor und berichtet über einige Epidemien der letzten Jahrzehnte, die vermutlich an vielen Menschen recht unbemerkt vorbei gegangen sind, die aber gleichzeitig zeigen, wie kurz wir teilweise vor Pandemien standen. Auch Themen wie wirtschaftliche Auswirkungen oder Digitalisierung und andere Bereiche des Lebens, die von solchen Ausbrüchen betroffen sind, werden besprochen. Die Sprache ist dabei klar und deutlich, spart aber auch nicht an Fachwörtern, die mal mehr, mal weniger erklärt werden.
Mein Fazit: Dank der nicht wenigen Benutzung von Fachwörtern, ist das Buch wohl nicht für jeden etwas, man muss allerdings auf keinen Fall selbst Epidemologin oder Infektionsforscher*in sein, um dem Text folgen zu können. Ich konnte das Buch gut lesen und fand es einen tollen, prägnanten und vor allem sachlichen Überblick zum Thema!

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Was ist der langsamste Fisch der Meere? Ein Seepferdchen! Trotzdem sind die kleinen (oder auch manchmal größeren) Tiere unfassbar gute Jäger, die ungefähr 5x so viel fressen, wie andere Fische der gleichen Größe.
Das sind nur zwei Beispiele für das Leben der spannenden Tiere! Till Hein hat für sein Buch „Crazy Horse“ Expert*innenerkenntise aus den verschiedensten Bereichen gesammelt und daraus ein tolles Buch gemacht. Wir lesen darin über die verschiedensten Arten, über ihre Lebensweisen, ihre natürlichen Habitate, die Besonderheiten ihrer Schwangerschaft und alles, was man sonst noch über ihr Leben im Meer weiß. Darüber hinaus berichtet er aber auch über andere Themen rund um die Tiere: Aquaristik zu Beispiel, aber auch Mythen, Medizinische Anwendungen, den Seepferdchenschutz, bis hin zu unserem eigenen Gehirn!
Mein Fazit: Hier werden die verschiedensten Bereiche abgedeckt, in denen Seepferdchen eine Rolle spielen. Wir lernen viel über die Fische selbst, aber auch jede Menge drum herum. Der Schreibstil ist gut verständlich, man braucht kein meeresbiologische Vorwissen, um den Texten folgen zu können. Eine kurzweilige und spannende Lektüre! Ein paar Bilder hier und da wären eine schöne Ergänzung gewesen.

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Als ich auf Instagram ein paar Bücher zur Abstimmung stellte, welches Buch auf jeden Fall noch in diesen Rezensionsartikel soll, fiel die Wahl auf dieses Buch! Wir bleiben also für den Abschluss einfach direkt im Meer!
In dem Buch „Wenn Haie leuchten“ nimmt uns die Meeresbiologin Julia Schnetzer mit in ihre Welt. Gerade im Vergleich zu dem Seepferdchen-Buch merkt man direkt, dass hier eine Wissenschaftlerin ein Buch geschrieben hat, denn es ist zwar auf der einen Seite gut verständlich geschrieben, geht inhaltlich aber trotzdem deutlich mehr in die Tiefe (durchaus im doppelten Sinne).
Die Kapitel werden oft von netten, kleinen Anekdoten über Meerestiere eingeleitet, dann werden aber auch recht schnell wissenschaftliche Beobachtungen damit verknüpft. Dabei schafft die Autorin es, immer anschaulich zu bleiben und uns Leser trotzdem teilweise wenige Jahre alte Forschungsergebnisse zu präsentieren. Das ist sehr spannend! Behandelt werden dabei die verschiedensten Themen wie Tiefseebewohner, Plastik im Müll, die namensgebenden fluoreszierenden Tiere, die Frage, wie Fische eigentlich sehen und was genau und einiges mehr. Besonders spannend und ja auch irgendwie aktuell, ist der Einblick, was für einen riesigen Einfluss Viren im Meer haben, das war mir komplett neu.
Mein Fazit: Das Buch war etwas anders, als ich es erwartet hatte, was aber gar nicht negativ ist. Erwartet hatte ich ein Buch mit lustigen Anekdoten über Meeresbewohner und ein bisschen Hintergrundwissen. Bekommen habe ich quasi das Gegenteil: Ein paar lustige Anekdoten, aber vor allem jede Menge Wissen und gut aufbereitete Zusammenhänge! Unbedingt empfehlenswert, wenn ihr mehr über das Meer erfahren möchtet!

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Das Buch „Die kleinste gemeinsame Wirklichkeit“ von Mai Thi Nguyen-Kim umfasst 365 Seiten, kostet 20 Euro und erschien im Droemer Verlag. Das Buch könnt ihr beispielsweise direkt beim Verlag, beim örtlichen Buchhändler oder bei Amazon bestellen.
Das Buch „Robert Kochs Affe“ von Michael Lichtwarck-Aschoff umfasst 282 Seiten, kostet 24 Euro und erschien im Hirzel Verlag. Das Buch könnt ihr beispielsweise direkt beim Verlag, beim örtlichen Buchhändler oder bei Amazon bestellen.
Das Buch „Adventure Girls“ von Kari Herbert umfasst 143 Seiten, kostet 18 Euro und erschien bei C.H.Beck. Das Buch könnt ihr beispielsweise direkt beim Verlag, beim örtlichen Buchhändler oder bei Amazon bestellen.
Das Buch „Birding für Ahnungslose“ von Véro Mischitz umfasst 126 Seiten, kostet 17,99 Euro und erschien im Kosmos Verlag. Das Buch könnt ihr beispielsweise direkt beim Verlag, beim örtlichen Buchhändler oder bei Amazon bestellen.
Das Buch „Pandemien“ von Jörg Hacker umfasst 128 Seiten, kostet 9,95 Euro und erschien bei C.H.Beck. Das Buch könnt ihr beispielsweise direkt beim Verlag, beim örtlichen Buchhändler oder bei Amazon bestellen.
Das Buch „Crazy Horse“ von Till Hein umfasst 240 Seiten, kostet 22 Euro und erschien im mare Verlag. Das Buch könnt ihr beispielsweise direkt beim Verlag, beim örtlichen Buchhändler oder bei Amazon bestellen.
Das Buch „Wenn Haie leuchten“ von Julia Schnetzer umfasst 284 Seiten, kostet 18 Euro und erschien bei Hanser blau. Das Buch könnt ihr beispielsweise direkt beim Verlag, beim örtlichen Buchhändler oder bei Amazon bestellen.
Vielen Dank für die Bereitstellung als Rezensionsexemplar!

2 Gedanken zu „Was ich im April gelesen habe…“

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