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Happy Birthday… Irène Joliot-Curie!

Bei dem Namen Curie denke ich immer als allererstes an Marie Curie, aber die Familie Curie hat noch einige weitere, bedeutende Naturwissenschaftler hervorgebracht und so möchte ich euch heute die ältere Tochter von Marie und ihrem Mann Pierre Curie vorstellen!

Irène Curie wurde am 12. September 1897 in Paris geboren. Sie war damit das erste (von zwei) Kindern von Marie und Pierre Curie. Ihr Vater starb 1906 bei einem Unfall und so wurde sie von ihrer Mutter großgezogen und teilweise von ihrem Großvater väterlicherseits, Eugène Curie. Die Kinder wurden zu Hause unterrichtet, wobei schon dort ein Schwerpunkt auf Naturwissenschaften und Mathematik gelegt wurde. Ihre Mutter führte beispielsweise viele Experimente mit ihnen durch, Paul Langevin unterrichtete Mathematik. Später besuchte sie das Collège Sévginé, eine Pariser Privatschule.

Marie Curie mit ihren Töchtern Ève (li) und Irène, 1908

Als Marie Curie im ersten Weltkrieg einen transportablen Röntgendienst organisierte und viel damit unterwegs war, half Irène ihr als Assistentin – sie war damals 17 Jahre alt – und später leitete sie selbst eine Station in Amiens. Gleichzeitig studierte sie Mathematik und Physik an der Universität in Paris, beides schloss sie 1920 erfolgreich mit dem Lizensiat ab*. Nach dem Krieg arbeitete sie am Radium-Institut ihrer Mutter und promovierte 1925 über die emittierten Alphastrahlen von Polonium (das Element, deren Entdeckung ihrer Mutter 1903 den Physik Nobelpreis gebracht hatte).

Im Institut lernte sie auch Frédéric Joliot kennen, den sie als Chemie-Laboranten anleiten sollte. Die beiden heirateten am 9. Oktober 1926 und am 19. September 1927 wurde ihre erste Tochter Hélène geboren. Ab 1928 führten die beiden viele gemeinsame Experimente durch, 1930 promovierte auch Frédèric.

Irène und Marie Curie im Labor, 1925

Spannend fand ich persönlich, wie oft die beiden aus heutiger Sicht an großen Entdeckungen nur sehr knapp entlang geschrammt sind. Beispielsweise führten sie 1931 ein Experiment durch (entwickelt von Bothe und Becker), bei dem Schichten verschiedener Materialien mit Alpha-Teilchen von Polonium bestrahlt wurden. Wenn die Materialien Wasserstoff enthielten, dann entstand eine neue Strahlung, die die beiden als Wasserstoffkerne interpretierten. Tatsächlich handelte es sich dabei um Neutronen. Dies erkannte James Chadwick, der dafür 1935 mit dem Physik-Nobelpreis ausgezeichnet wurde. Ebenfalls 1932 beobachteten die beiden positiv geladenen Elektronen, die von Paul Dirac vorhergesagt worden waren. Als sie ihr Experiment 1933 richtig einordneten, war Carl David Anderson ihnen bereits zuvorgekommen und so ging auch die erste Beobachtung des Positrons offiziell nicht an die beiden – Chadwick erhielt für seine Entdeckung 1936 den Physik-Nobelpreis. Im Jahre 1932 wurde dann auch noch ihr Sohn Pierre geboren.

Die drei Curie-Frauen 1921 in New York

Die Entdeckung, die schließlich Irène und Frédèric Joliot-Curie den Nobelpreis in Chemie bringen sollte, baute direkt auf der Arbeit von Marie Curie auf: Marie hatte die ersten beiden radioaktiven Elemente – Polonium und Radium – entdeckt. Ihre Tochter und deren Mann fanden nun durch Experimente heraus, dass man zu stabilen, chemischen Elementen auch radioaktive Isotope erzeugen konnte. Beide unterscheiden sich nur durch die Masse des Atomkerns. In ihrem Experiment bestrahlten sie Aluminiumfolie mit Alphateilchen, dadurch entstand aus Aluminum-27 erst Phosphor-30, das direkt danach in Silizium-30 umgewandelt wurde. Sofort erkannten sie dieses Mal, dass ihnen ein großer Durchbruch gelangen war und nach dem entscheidenden Experiment vom 11. Januar 1934 führten sich noch einige andere Tests durch und stellten anschließend schon am 15. Januar 1934 die Ergebnisse in der Akademie der Wissenschaften vor. Bereits 1935 erhielten Irène und Frédèric Joliot-Curie dann den Nobelpreis für Chemie! Die Entdeckung der künstlichen Radioaktivität wird übrigens noch immer sehr viel benutzt und ist ein sehr wichtiges Hilfsmittel vor allem für die Medizin – beispielsweise für Fälle, in den einem radioaktive Substanzen gespritzt werden für Untersuchungen.

Die Solvay Konferenz 1933, Irène sitzt vorne als 2. von links, hinter ihr steht Frédèric und als 5. von links sitzt Marie Curie und ganz rechts sieht man auch noch Lise Meitner

Irène Joliot-Curie engagierte sich stark in der Politik und kämpfte für Frauenrechte. Sie trat beispielsweise 1936 in die Regierung von Léon Blum als Staatssekretärin für Wissenschaft und Forschung ein. Zu diesem Zeitpunkt durften Frauen in Frankreich noch nicht einmal wählen und so wollte sie mit dem Eintritt in die Regierung vor allem ein Zeichen für die Frauenbewegung setzen. Nach drei Monaten räumte sie diesen Posten wieder, um sich wieder ganz ihrer Forschung zu widmen.

Fast hätte Irène Joliot-Curie noch die Kernspaltung entdeckt, als sie zusammen dem mit Physiker Paul Savitch Uran mit Neutronen bestrahlte. Sie beobachteten dabei ein neues radioaktives Element mit einer Halbwertszeit von 3,5 Stunden. Sie konnten es allerdings nicht genau identifizieren und veröffentlichten ihre Beobachtungen im Juli 1938 mit der Vermutung, dass es sich um Transuran handeln könnte. Otto Hahn und sein Assistent Fritz Strassmann wiederholten das Experiment etwas später und konnten die Kernspaltung am 17. Dezember 1938 nachweisen. Otto Hahn erhielt für diese Entdeckung den Nobelpreis Chemie 1944.

Irène und Frédèric Joliot-Curie, 1934 in London

Ab 1937 hielt sie eine Dozentenstelle an der Sorbonne. Als die deutschen Truppen im Juni 1940 Paris besetzten, floh die Familie nach Clermont-Ferrand. Sie kehrten allerdings wieder nach Paris zurück, wo Frédèric Joliot-Curie weiter als Forscher am Collège de France arbeitete, gleichzeitig aber auch in der Résistance kämpfte. Als bei Irène Joliot-Curie erneut (nach 1935) wieder Tuberkulose ausbrach, ging sie mit ihren Kindern im Juni 1944 in die Schweiz, um sich dort behandeln zu lassen.

Nach dem Krieg wurde ihr Mann im Oktober 1945 der erste Hochkommissar des neu gegründeten Kommissariat für Atomenergie (CEA) und Irène selbst wurde eine von drei Kommissaren. Ihr Amtszeit wurde allerdings nicht verlängert, weil sie sich weiterhin in kommunistisch nahestehenden Organisationen engagierte. Auch der erste französische Synchronzyklotron für Protonen enstand in Orsay nachdem Irène Joliot-Curie sich dafür einsetzte.

Ab 1950 waren Irène und ihr Mann korrespondierende Mitglieder der Deutschen Akademie der Wissenschaften in Berlin und sie erhielt die Ehrendoktorwürde der (nach ihrer Mutter benannten) Maria-Curie-Sklodowska-Universität in Lublin. Sie bewarb sich insgesamt vier Mal um einen Sitz in der Akademie der Wissenschaften, jede Bewerbung wurde abgelehnt. Damit wollte sie auch darauf aufmerksam machen, wie frauenfeindlich diese Organisation war.

Im Jahr 1956 starb Irène Joliot-Curie an Leukämie. Wahrscheinlich war die Krankheit eine Spätfolge ihres Einsatzes in den Röntgenstationen des 1. Weltkriegs und des Umgangs mit großen Mengen an Polonium, wie auch schon bei ihrer Mutter Marie Curie.

Die Folge der bedeutenden Wissenschaftler der Familie Curie endete hier übrigens nicht… Hélène, die Tochter von Irène und Frédèric Joliot-Curie, wurde Kernphysikerin und Professorin. Sie heiratete Michel Landgevin, den Enkel von Paul Langevin, dem eine Affäre mit der (verwitweten) Marie Curie nachgesagt wurde. Sie haben zwei Kinder, wovon einer Astrophysiker ist. Hélènes Bruder Pierre wurde Biologe, seine Kinder sind Neurowissenschaftler und ebenfalls Biologe.

Ève Curie, 1937

Übrigens hat man manchmal das Gefühl, dass Irènes Schwester Ève ein bisschen aus dem Rampenlicht verdrängt wird, weil sie keine naturwissenschaftliche Karriere eingeschlagen hat. Ein spannendes Leben führte sie allerdings auch, deswegen würde ich gern noch kurz einen kleinen Absatz zu ihr hier einfügen: Ève Curie wurde am 6. Dezember 1904 in Paris geboren, weil ihr Vater bereits 1906 starb, lernte sie ihn nicht wirklich kennen. Als Teenager wurde die Verbindung zu ihrer Mutter immer stärker und Marie förderte ihr künstlerisches Interesse genauso stark wie das naturwissenschaftliche von Irène. Auch sie machte ihren Abschluss am Collège Sévigne in Paris, 1925. Zur gleichen Zeit gab sie ihre ersten Klavierkonzerte als Pianistin. Nachdem Irène geheiratet hatte, blieb Ève bei ihrer Mutter, lebte mit ihr und begleitete sie auf vielen Reisen. Nach dem Tod von Marie schrieb Ève eine Biographie über ihre Mutter, die ein Bestseller wurde. Im 2. Weltkrieg lebte sie vor allem in Großbritannien und den USA und kämpfte von dort gegen die Nationalsozialisten. Außerdem arbeitete sie als Kriegsreporterin und schrieb auch darüber ein Buch, Journey among Warriors, das für den Pulitzer Preis nominiert wurde. Sie heiratete den amerikanischen Diplomaten Henry Richardson Labouisse Jr. Im Jahre 1954. Beide arbeiteten ab 1965 für UNICEF – ihr Mann war Direktor geworden und sie galt als die „First Lady von UNICEF“, sie bereisten über 100 Länder und nahmen 1965 den Friedensnobelpreis für die Organisation entgegen. Ab 1987 lebte sie allein in New York, wo sie mit 102 Jahren im Schlaf starb. Im Jahr 2005 wurde ihr die höchste Auszeichnung verliehen, die Frankreich zu vergeben hat: „Officier de la Légion d’Honeur“.

Das war es für heute mit den Artikel über Irène Joliot-Curie und ihre Familie.

Über wen möchtet ihr demnächst einen Biographieartikel lesen? Hinterlasst mir gern einen Kommentar oder stimmt hier mit ab!

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* Leider habe ich keine richtig gute Information finden können, mit was man das Lizensiat vergleichen kann. Es kommt wohl entweder dem Bachelor oder Master am nächsten.

Quellen & weitere Infos:

100 Forscher, die die Welt verändert haben, DK Verlag – habe ich schon einmal ausführlich HIER vorgestellt

Was Wissen schafft“ – Focus Magazin, 15.11.2013

Irène Joliot-Curie, Wikipedia 

Ève Curie, Wikipedia

3 Gedanken zu „Happy Birthday… Irène Joliot-Curie!“

    1. Das geht mir genauso, das ist auch einer der Gründe, warum ich diesen Blog gegründet habe. 🙂 Schön, wenn der Artikel das für dich geschafft hat!
      Danke für den Tipp, ich höre mal rein!

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