Allgemein, Biographien, Mathematik

John H. Conway {In memoriam}

Die Mathematik hat ihr erstes, berühmtes COVID-19 – Opfer zu beklagen: John Horton Conway starb am Samstag, den 11. April. Er wurde 82 Jahre alt.

Conway starb am vergangenen Samstag, nachdem er am Mittwoch Fieber bekommen hatte. Mit 82 Jahren und einem Wohnort in Princeton, New Jersey gehörte er leider zur Risikogruppe für einen schweren Verlauf von COVID-19. Ich habe davon zuerst auf dem Blog von Terence Tao gelesen, der auch ein paar Erinnerungen an Conway mit uns teilt.

John Conway starb am Samstag mit 82 Jahren / Photo: Joseph Kohn

John Conway wurde am 26. Dezember 1937 in Liverpool (GB) geboren. Schon als Kind war er sehr an Mathematik und Zahlen interessiert, was dazu führte, dass er in Cambridge Mathematik studierte und dort auch 1967 promovierte. In seiner Zeit in Cambridge forschte er vor allem über Zahlentheorie, Logik, Gruppentheorie. Ab 1984 beschäftigte er sich dann vor allem mit Geometrie. 1987 zog er nach Princeton, wo er ab dann die John von Neumann – Professur inne hatte.

„Mathematics is the simple bit. It’s the stuff we can understand. It’s cats that are complicated.“

1970 entwarf Conway sein berühmtes „Game of Life“, das auf zweidimensionalen zellulären Automaten basiert. Ehrlich gesagt habe ich mich nie intensiver damit beschäftigt, aber es bringt interessante Dinge hervor. Das Spiel ist wahrscheinlich sein berühmtestes, aber bei weitem nicht das einzige, was er erfand. Spannend finde ich Phutball (Philosopher’s Football), bei dem man als Spieler auch tatsächlich spielt – anders als beim Game of Life, wo man nur Anfangsbedinungen definiert und der Rest läuft automatisch ab und das „Spiel“ besteht vor allem aus Beobachten.

John Conway in seinem Büro in Princeton 1993 – Photo: Dith Pran/The New York Times/Red/Eyevine

Conway beschrieb auch als erster die surrealen Zahlen (wobei die Beziechnung von Donald Knuth stammt, Conway sie aber direkt übernahm) – das ist eine Klasse von Zahlen, die alle reellen Zahlen umfasst und dazu noch „unendlich große“ Zahlen, die größer sind als jede reelle Zahl. In der Vorstellung sind alle reellen Zahlen noch einmal umgeben von surrealen Zahlen. Diese Entdeckung und seinen Beweis des „Free Will Theorems“ in der Quantenmechanik hielt er selbst für seine größten Leistungen.
Man kann kaum die Bereiche der Mathematik aufschreiben, für die er sich interessierte. Bei seinen Kollegen war er vor allem aber auch für seinen Humor bekannt und dafür, dass er gerne alle möglichen für Spiele (und damit auch seine Arbeit) in Beschlag nahm. Auch mit Paul Erdös hatte Conway zusammengearbeitet, weswegen er die Erdös-Zahl 1 hatte.

Aufgrund der aktuellen Situation ist aktuell keine Gedenkfeier in Princeton geplant.

 

„Archimedes, Mick Jagger, Salvador Dali, and Richard Feynman all rolled into one — a singular mathematician, with a rock star’s charisma, a sly sense of humor, a polymath’s promiscuous curiosity, and a burning desire to explain everything about the world to everyone in it.“ – Aus der Biographie von Siobhan Roberts über Conway

 

 

~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~

Quellen & weitere Artikel:
John H. Conway, 1937–2020 – Princeton News
John Horton Conway: the world’s most charismatic mathematician
John Conway – Blogeintrag von Terence Tao
John Horton Conway – Wikipediaeintrag, abgerufen am 14.04.2020
COVID-19 Kills Renowned Princeton Mathematician, ‚Game Of Life‘ Inventor John Conway In 3 Days
Mathematiker John Conway ist gestorben

Ein Gedanke zu „John H. Conway {In memoriam}“

Ich freue mich auf deinen Kommentar!

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.