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Happy Birthday… Marie Curie

Heute, am 7. November, vor genau 150 Jahren wurde eine der bedeutendsten Frauen der frühen, moderen Naturwissenschaften geboren: Marya Sklodowska. Besser bekannt unter ihrem späteren Namen: Marie Curie.

Marie Curie war auch eine der ersten – wenn nicht tatsächlich DIE erste – Wissenschaftlerin, die mich näher interessierte. Ich weiß noch genau, wie ich mir in unserer kleinen Dorfbücherei immer wieder ihre Biographie auslieh, weil ich sie so extrem spannend fand. Auch als ich jetzt wieder einiges über sie las, kam dieses Gefühl sofort wieder. Sie hat extrem hart dafür gekämpft, dass sie ihr Leben so leben konnte, wie sie es tat! Dieses wird ein langer Artikel, weil es unfassbar viele, spannende Aspekte zu ihrem Leben gibt. Also am besten nimmst du dir eine Tasse Tee / Kaffee / Kakao, machst es dir gemütlich und tauchst mit mir in das Leben dieser inspirierenden Frau ein…

Das offizielle Nobelpreisbild von 1903


Ihre Eltern waren beide Lehrer und somit gehörte die Familie zur polnischen Intelligenzija, was sie allerdings nicht reich machte. Marya war das jüngste der fünf Kinder und beide Elternteile arbeiteten viel, waren sogar Schuldirektoren. Die Mutter starb an Tuberkulose, als Marya 10 Jahre alt war. Bereits mit 15 Jahren bestand sie das Abitur und wurde danach für ein Jahr aufs Land geschickt, weil sie sehr erschöpft war. Im darauffolgenden Jahr begann sie mit verschiedenen, aufeinanderfolgenden Lehrerjobs. Damit unterstützte sie ihre Schwester Bronia, die in Paris studierte. In Polen waren zu diesem Zeitpunkt keine Frauen als Studenten zugelassen und so konnte Marya nicht studieren, weil sich die Familie kein weiteres Auslandsstudium leisten konnte. Im Jahre 1891 reiste sie zu ihrer Schwester Bronia nach Paris, wo sie ein Jahr bei ihr und ihrem Mann wohnte, während sie mit dem Studium begann. Von etwas unter 2000 Studenten der Naturwissenschaften waren 23 weiblich, wobei Marie – wie sie sich inzwischen nannte – viele Schwierigkeiten mit der Sprache und der Vorbildung hatte. Trotzdem kämpfte sie sich durch und machte 1893 ihren Abschluss in Physik als Beste und 1894 als Zweitbeste in Mathematik. Im Frühjahr 1894 lernte sie Pierre Curie auf der Suche nach einem geeigneten Labor für eigene Forschung kennen. Die beiden verliebten sich und heirateten am 26. Juli 1895 in Paris. Am 12. September 1897 wurde die gemeinsame Tochter Irène geboren. Währenddessen arbeitete Marie die ganze Zeit weiter an ihren physikalischen Untersuchung zu der Magnetisierung von gehärtetem Stahl und machte Zusatzqualifikationen an der Universität, die sie zum Lehren an höheren Schulen qualifizierten.

Marie und Pierre untersuchten gemeinsam die Bequerel-Strahlen und fanden bei der Untersuchung von Pechblende zwei neue Elemte: Polonium und Radium. Im Vortrag vor der Akademie der Wissenschaften über Polonium im Juli 1898 tauchte auch das erste Mal der Begriff der „Radiaktivität“ auf. Diesen Vortrag hielt übrigens Henri Becquerel, da Marie Curie ihn nicht selbst halten durfte, weil sie kein Mitglied der Akademie war. Im Herbst 1898 traten bei ihr bereits die ersten Symptome der Strahlenkrankheit auf, an denen sie Jahre später sterben würde, weil sie extrem viel und direkt mit radioaktiven Stoffen gearbeitet hatte. Anfang 1899 verlagerten die beiden ihre Forschungsschwerpunkte: Pierre befasste sich ganz mit der physikalischen Wirkungen der Radioaktivität. Marie Curie konzentrierte sich vollständig auf die chemische Isolierung des Radiums. Schließlich verteidigte sie im Jahr 1903 ihre Doktorarbeit zum Thema „Recherches sur les substances radioactives“ (Untersuchungen über die radioaktiven Substanzen). Der Gesundheitszustand verschlechterte sich dagegen immer mehr, durch eine Fehlgeburt im August ging es Marie noch einmal schlechter. Aus diesem Grund konnten Marie und Pierre dann auch ihren Nobelpreis für Physik 1903 „in Anerkennung der außerordentlichen Leistungen, die sie sich durch ihre gemeinsame Forschung über die von Professor Henri Becquerel entdeckten Strahlungsphänomene erworben haben“ nicht in Stockholm entgegennehmen.

Die beiden lebten eigentlich lieber zurückgezogen und unbehelligt, wurden nach dem Erhalt des Nobelpreises aber zu öffentlichen Personen. Für Pierre wurde 1904 extra ein neuer Lehrstuhl an der Sorbonne geschaffen. Im Dezember 1904 wurde ihre zweite Tochter, Ève, geboren – die später eine ausführliche Biographie über ihre Mutter herausbringen würde. Im April 1906 geriet Pierre unter einen Pferdewagen und starb noch am Unfallort. Marie wurde davon hart getroffen, arbeitete aber unermüdlich weiter. Ab November 1906 übernahm sie die Leitung des Labors von Pierre und hielt ihre erste Vorlesung an der Sorbonne. Im November 1908 wurde sie dann zur ordentlichen Professorin berufen und war damit die erste Professorin in Frankreich.

Marie, Irène und Pierre Curie

Den Nobelpreis für Chemie erhielt sie 1911 „in Anerkennung ihrer Verdienste um den Fortschritt der Chemie durch die Entdeckung der Elemente Radium und Polonium, durch Isolierung des Radiums und die Untersuchung der Natur und der Verbindungen dieses bemerkenswerten Elementes“. Zu diesem Zeitpunkt wurde sie in Frankreich über mehrere Monate scharf angegriffen, was das Nobelpreiskommitee sogar dazu führte, ihr abzuraten, den Preis in Stockholm persönlich entgegen zu nehmen. Sie reiste trotzdem zusammen mit ihrer älteren Tochter nach Schweden. Der Grund des Angriffs war die sogenannte „Langevin-Affäre“, ihre Beziehung zu einem langjährigen Freund der Familie, mit dem sie vermutlich seit 1910 eine Liebesbeziehung hatte. Paul Langevin war ein ehemaliger Schüler von Pierre Curie, 5 Jahre jünger und zu diesem Zeitpunkt noch verheiratet.

Im Jahre 1911 (nachdem sie bereits beide Nobelpreise erhalten hatte) wurde ihr die Aufnahme in die französische Akademie der Wissenschaften verweigert – am Ende mehrerer Wahlgänge unterlag sie einem Mitbewerber. Die Begründung lautete vorher, dass die Akademie an ihren Traditionen festhalten und deswegen keinesfalls eine Frau aufnehmen wollte. Nach ihrer Wiederkehr aus Schweden wurde sie wieder schwer krank, was sich erst 1913 deutlich besserte. In diesem April erhielt sie Besuch von Albert Einstein, mit dem sie eine Sommerreise in die Schweiz unternahm.

Direkt zu Beginn des ersten Weltkrieges begann Marie Curie, sich damit auseinanderzusetzen, wie man die entwickelten Röntgenapparate besser nutzen könnte, vor allem im medizinischen Bereich. Denn an der Front und in den Lazaretten herrschten meist schlechte Zustände und der Strom fiel oft aus. Insgesamt 20 mobile Röntgenstationen wurden schließlich gebaut, Curie machte den Führerschein und fuhr mit den Röntgenstationen oft selbst bis kurz hinter die Front. Auch Schulungen führte sie durch und brachte Krankenschwestern bei, wie sie die Geräte zu bedienen hatten.

Marie Curie mit ihren Töchttern und Marie Melony in den USA, 1921

Anfang 1920 gab sie Marie Melony ein Interview, der Herausgeberin eines amerikanischen Frauenmagazins. In der Folge dieser Begegnung reiste Marie Curie mit ihren Töchtern in die USA. Dort besuchte sie viele Colleges, Institute und Touristenstationen. Allerdings ging es ihr wieder oft gesundheitlich schlecht und sie ließ sich von ihren Töchtern vertreten. Anlass der Reise war auch ein Spendenaufruf Melonys gewesen, da Marie Curie dringend Radium für ihre Forschung benötigte, dieser aber für die Behandlungen im Weltkrieg quasi aufgebraucht waren. Sie bekam im Laufe ihrer Reise von Präsident Harding ein Gramm Radium überreicht.

Im Juni 1934 starb Marie Curie an Blutarmut – eine Folge der radioaktiven Strahlung, der ihr Körper jahrelang ausgesetzt war und die sie bereits über viele Jahre immer wieder körperlich an ihre Grenzen gebracht hatte.

Nach den Curies wurden viele Dinge, Schulen, Universitäten etc. benannt. Beispielsweise auch das Element Curium und die Maßeinheit Curie, die die Aktivität eines radioaktiven Stoffes angibt. Auch für den Völkerbund war Marie Curie 12 Jahre lang aktiv.

Auch wenn dies ein langer Artikel wurde, freue ich mich, wenn er dir gefallen hat! Auf Marie Curie und ihre Forschung werden wir mit Sicherheit noch öfter zurückkommen.

 

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Weitere Artikel, in denen ihr etwas über Marie Curie erfahrt:
Was ist… der Nobelpreis?

Habt ihr übrigens gesehen, dass ich eine Übersichtsseite über alle Biographiebeiträge veröffentlicht habe? Schaut gern mal HIER vorbei!

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3 Gedanken zu „Happy Birthday… Marie Curie“

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